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Der Ungarnflüchtling 1956
Peters Weg von daheim nach Hause

VORWORT

ungarn1Manchmal lässt sich Geschichte über Einzelschicksale besser vermitteln als mit anonymen Zahlen und nüchternen Fakten, die dazu verleiten, Augen und Ohren zu verschließen. Doch nur, wenn man etwas über die Vergangenheit weiß, kann man die Gegenwart begreifen, um Fehlern in der Zukunft vorzubeugen. Zu diesem Buch wurde die Autorin durch ein Interview angeregt, das Dr. Johannes Schmidle 2014 in der Sendung „Ansichten. Zu Gast bei Radio Vorarlberg“ mit Peter Kovacs führte. Kovacs hat den Ungarnaufstand 1956 miterlebt und flüchtete als 15jähriger nach Österreich. Nach Umwegen über Siezenheim und Maxglan lebt der pensionierte Raumausstatter heute in Wolfurt in Vorarlberg. Was den 75jährigen als Jugendlichen zu dieser schwerwiegenden Entscheidung bewog, wie er die Flucht an sich erlebte und wie er danach in der neuen Heimat Fuß fassen konnte, wird in dieser bewegenden Lebensgeschichte authentisch geschildert, deren Lücken fiktiv aufgefüllt wurden. Die Biografie des Protagonisten ist in die Ereignisse des historischen Zusammenhangs eingebettet, der sich heuer im Spätherbst zum 60. Mal jährt.

Textprobe:

Zitternd vor Angst versucht er, Gyulas Rockzipfel zu erwischen, sodass sein Kumpel ebenfalls abrupt innehält. Jetzt hört auch er es ganz deutlich. „Ch – ha, Ch – ha, Ch – ha…“ Das klingt wie wenn jemand keine Luft mehr bekommen würde. Kurzatmig eben, man könnte meinen, es sei das abgehackte Schnaufen eines Asthmatikers. Nebeneinander und an Ort und Stelle warten sie ab. Aber nichts geschieht. Plötzlich ist es weg, das Keuchen. Der Verfolger dürfte abgebogen sein, denn das Geräusch wird leiser, scheint sich zu entfernen, sodass es sich nur noch wie ein leises Hecheln anhört. Jetzt ist es wie weggeblasen, schlagartig verschwunden, so wie es gekommen ist. Nach ein paar Sekunden wagen die beiden es endlich, weiter zu schleichen. Sie werden wohl nie erfahren, wer oder was das war. „Ob sich noch jemand heute Nacht in Richtung Grenze wagt?“ fragt sich Péter. Hastig gehen sie weiter in der stockdunklen Nacht. Jetzt erst wird dem Jungen bewusst, worauf er sich da eingelassen hat. Was wäre gewesen, wenn ein Kontrollposten sie verfolgt hätte? Auf einmal scheint es ihm, als ob ihn jemand am Ärmel streifen würde. Er erschrickt. Reflexartig zieht er den Arm zurück. Nach einer Schrecksekunde, in der er vermeint, einen kalten Hauch zu spüren, ergreift er mit klammen Fingern wieder den Arm seines väterlichen Anführers vor sich. Kein Wunder, dass er sich fürchtet. Schließlich ist er mit heutigem Tag erst den Kinderschuhen entwachsen. Noch dazu sind seine eigenen Schuhe völlig ungeeignet für solch ein Unterfangen, wie sich herausstellt hat. Er hätte sich besser vorbereiten müssen auf so ein Wagnis, denkt er reumütig. Schon tut es ihm leid, dass er mit diesem Schuhwerk auch seinen Begleiter gefährdet, der sich allein wahrscheinlich leichter getan hätte auf der Flucht.

Das Buch  „Der Ungarnflüchtling 1956“ erscheint im September 2016 bei „INNSALZ in der Aumayer Druck & Verlagsges.m.b.H.& Co KG“, Gewerbegebiet Nord, 3522 Munderfing, Tel. 07744 200 80- 0.
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